Maß der Gerechtigkeit

«Mit welchem Maß ihr messt, wird man euch wieder messen.»

Markus 4,24

Pfiff! Der Stürmer liegt noch am Boden, da zeigt der Schiedsrichter bereits auf den Elfmeter-Punkt: Strafstoßwegen Fouls im Strafraum – klare Sache! Doch schon erklingt ein noch größeres Pfeifen, da die einen Fans hier Ungerechtigkeit vermuten. War doch eine ähnliche Szene vor dem anderen Tor vom Unparteiischen kurz zuvor nicht gepfiffen und somit ein sicheres Tor verhindert worden. Zweierlei Maß, mit dem hier in diesem Beispiel gemessen wurde. 

Ein Richter ist ebenso verpflichtet, Gerechtigkeit und Recht walten zu lassen. Die ‚Justitia‘ mit verbundenen Augen und einer antiken Waage in der Hand ist das Symbol für ausgewogene Gerechtigkeit ohne Ansehen der Person, unbeeinflusst von persönlichen Interessen. Nur so kann ein Rechtsstaat bestehen. Auch hier gilt das Prinzip von Saat und Ernte, wie Jesus es in der Bergpredigt lehrt: „Hört auf, andere zu verurteilen, und ihr werdet auch nicht verurteilt werden. Hört auf, andere zu tadeln, oder es wird euch ebenso ergehen. Wenn ihr anderen vergebt, wird euch auch vergeben werden. Wenn ihr gebt, werdet ihr erhalten. Was ihr verschenkt, wird zusammengepresst und gerüttelt, in einem vollen, ja überreichlichen Maß zu euch zurückfließen. Nach dem Maß, mit dem ihr gebt, werdet ihr zurückbekommen.“ (Lk. 6, 37.38). 

Einer der biblischen Gottesnamen ist ‚Jahwe Tsidkenu‘, zu deutsch ‚Gott, unsere Gerechtigkeit. Es ist Name, also Programm und Identität Gottes, gerecht zu sein. Dafür „steht er mit seinem guten Namen“, darauf können wir uns absolut verlassen. So wissen wir beispielsweise sicher: „Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, daß er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit“ (1. Johannes 1,9). Wäre Gott hier inkonsequent in seiner Vergebungsbereitschaft, worauf könnten wir unsere Heilsgewissheit dann stützen? Aber Gott lebt vor, was er uns anrät, nämlich gerechte und beständige Maßstäbe zu entwickeln. Denn diese brauchen wir sehr nötig in z.B. Kindererziehung, im Beruf, im Umgang mit Finanzen, in der Schule und auch im Gemeindeleben. Je stärker unsere Beziehung zum Betroffenen, desto größer ist das Risiko der emotionalen Fehlreaktion. 

Wir bauchen Gerechtigkeit: passiv in den Situationen, in denen wir von Gott oder Menschen beurteilt werden; aktiv dort, wo wir selbst beurteilen müssen. 

Wie gut, dass uns der Herr der Gerechtigkeit gewiss darin unterstützt, in unserem Urteilsvermögen klar zu werden und zu sein. „Der Beistand, der Geist der Wahrheit“ (Joh. 14, 16) wurde uns hierzu geschenkt! Wenn wir uns an ihm orientieren, werden wir garantiert nicht abgepfiffen! 

Michael Taeger

(CVJM Friesenheim / Juli 2012)

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